Bericht aus dem Gemeindearchiv Dinhard von Ralph Ruch

Seit 2014 stellt das Staatsarchiv Zürich der Gemeinde Dinhard im Rahmen des Pilotprojekts "Integrierte Informationsverwaltung" einen professionellen Archivar zur Verfügung. Dieser bewirtschaftet in einem von der Gemeinde finanzierten Pensum von 6 Prozent den gesamten Lebenszyklus der Verwaltungsunterlagen (Informationsverwaltung und Archiv): das heisst Entrümpeln von Büroablagen, Regalen und Nebenkammern (im Fachjargon "Bewerten" genannt), sorgfältiges Verzeichnen und Verpacken von archivrelevanten Unterlagen ("Erschliessen") sowie die Unterstützung von Verwaltung, Behörden und Externen bei der Aktensuche ("Benutzung"). Zudem wird das Verwaltungspersonal bei der Umsetzung einer gesetzeskonformen Informationsverwaltung unterstützt.

Zu den Meilensteinen der bisher geleisteten Arbeiten gehören: die Einführung eines Reglements zur Informationsverwaltung, die Optimierung der konservatorischen Bedingungen im Archivraum und die Implementierung eines ganzheitlichen Life-Cycle-Managements für Verwaltungsunterlagen. Aktuell steht die Nachbewertung, Neuverzeichnung und archivgerechte Verpackung der Archivbestände im Zentrum.

Der Dienstleistungsvertrag mit dem Staatsarchiv läuft Ende 2018 aus. Welches Angebot die Gemeinde ab 2019 beanspruchen wird, ist momentan in Abklärung. Weiterführende Informationen erhalten Sie unter https://staatsarchiv.zh.ch/internet/justiz_inneres/sta/de/gemeinden.html

Das Archiv als Gedächtnis der Gemeinde

Neben den Unterlagen der politischen Gemeinde werden auch die Akten der Schule, der Kirchgemeinde und der ehemaligen Armen- und Zivilgemeinden im Gemeindearchiv aufbewahrt. Insgesamt umfasst das Archiv ca. 50 Laufmeter. Die Archivalien der Kirchgemeinde reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Insbesondere sind in diesen frühsten Zeugnissen Güterverkäufe verschriftlicht sowie Zins- und Güterverzeichnisse angelegt worden. Der Vollständigkeit halber gilt anzufügen, dass die Betreuung des Kirchgemeindearchivs nicht Bestandteil des Pilotprojekts "Integrierte Informationsverwaltung" ist. Zu den bedeutendsten Archivalien der politischen Gemeinde zählen die Protokolle der Gemeindeversammlungen (seit 1870), die Gemeinderatsprotokolle (seit 1831) und die Protokolle des Waisenamtes, respektive der Vormundschaftsbehörde (seit 1812).

Archivierte Unterlagen stehen der Öffentlichkeit grundsätzlich zur Benutzung zur Verfügung, sofern die Unterlagen keiner gesetzlichen Schutzfrist mehr unterliegen. Der reiche Fundus im Gemeindearchiv Dinhard lässt tief in die Geschichte der Gemeinde und ihrer Einwohner blicken: Wussten Sie beispielsweise, dass der Gemeinderat ziemlich genau vor 100 Jahren (Gemeinderatssitzung vom 07.04.1918) beschloss, den Abschuss von Krähen mit 40 Rappen pro Stück zu vergüten? Die offenbar massenhaft auftretenden Vögel verursachten enormen Schaden am Saatgut. In derselben Sitzung beantragte der Schützenverein Dinhard die Übernahme der Schiessanlage durch die Gemeinde, da infolge des Krieges die Tätigkeit des Vereins gänzlich zum Erliegen gekommen war. Ob sich die Dinerter Schützen anstelle des ordentlichen Schiessbetriebs an der "Krähenjagd" beteiligten, sei dahingestellt. Die Jahresrechnung der Gemeinde 1918 weist jedenfalls ein ausbezahltes Schiessgeld von 46 Franken aus, was 115 Krähen entspricht.

Interessieren Sie sich für das Gemeindearchiv und die Geschichte Dinhards, dann nehmen Sie doch Kontakt mit der Gemeinderatskanzlei auf: gemeinde@dinhard.ch


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