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Geschichte

Eine Zeitreise durch die Geschichte unseres Dorfes

Die ersten Jahrhunderte

Der Name Dinhard wurde erstmals 1275 als «Tinhart» erwähnt. Zu jener Zeit gab es wahrscheinlich eine Kapelle, die der heiligen Petronella geweiht war. Leider sind keine weiteren Texte oder Zeichnungen aus dieser Zeit überliefert. Interessant ist jedoch, dass es auf dem Gemeindegebiet von Kirchdinhard und Eschlikon zwei Burgen gegeben haben soll. Ebenso wird von den Adelsgeschlechtern von Dinhard und von Eschlikon berichtet.

Die Kirche von Dinhard

Die heutige Kirche von Dinhard wurde zwischen 1511 und 1515 erbaut. Das stattliche, spätgotische Bauwerk löste eine Kapelle ab und prägt seither das Dorfbild. Kurz nach der Einweihung erfasste die Reformation unter Huldrych Zwingli die Region. In diesem Zusammenhang darf Jakob Wiesendanger, genannt «Ceporinus», nicht unerwähnt bleiben. Dieses Sprachgenie aus Dinhard – ein Wegbegleiter Zwinglis – beherrschte Hebräisch, Latein und Griechisch. 1641 löste sich Altikon von der Kirchgemeinde Dinhard und wurde eigenständig. Im Jahr 1731 wurde die Kirche umfassend renoviert, zu einer Zeit, als die Bevölkerungszahl auf 705 angestiegen war.

Bereits im Mittelalter war Dinhard landwirtschaftlich geprägt. Die Bauern hielten Nutztiere und bauten Roggen an. In Eschlikon und Welsikon wurden Reben angepflanzt. 1646 zählte Dinhard 430 Einwohner. Lesen Sie im nächsten Teil, wie Dinhard die Herausforderungen von Kriegen und Veränderungen meisterte.

Napoleonische Ära und Kampf ums Überleben

Im Jahr 1799 wurde das zürcherische Weinland der Haupt-Kriegsschauplatz von Franzosen, Russen, Österreichern und weiteren kriegsführenden Nationen. Winterthur war übervoll mit verwundeten und kranken Soldaten. Über das ganze Jahr waren 1000 Soldaten einquartiert und die Stadt zerbrach beinahe unter der Last. Nicht weniger litten die Dörfer.

Die Helvetik und ihre Folgen

In der Gegend von Dinhard wuchsen in jener Zeit fünf verschiedene Gehöfte zu kleinen Weilern und Dörfern an, die sich feste Gemeindeorganisationen schufen. Die Helvetik beendete dann um 1798 die alten Herrschaftsverhältnisse. Aus den Dorfschaften entstanden die Zivilgemeinden Eschlikon, Welsikon, Dinhard, Vordergrüt und Sulz.

Von Schlüsseln und Farben: Die Entstehung des Dinharder Wappens

Im Jahre 1729 tauchte erstmals auf einer Taufkanne ein aufrechtstehender Schlüssel auf. Ursprünglich bildeten zwei gekreuzte Schlüssel auf blauem Hintergrund unser Gemeindewappen. Erst 1931 griff der Gemeinderat wieder auf den einzelnen Schlüssel zurück und definierte den roten Hintergrund.

   

Ursprung und Entwicklung der Ortsnamen

Dinhard erscheint 1332 als Burgstall Tinhart, heisst gelegentlich auch Tinnhart und Dinnhart, von tinn = langgestreckt, «am langen Walde». 1378 Tenhart, 1397 Thinhart, später Dynhart, heute Dinhard.
1230 ist eine «Burg de Esschilinchon» bekannt. 1251 Escelicon, 1260 Eschelinchon, 1286 Aeschelichon, 1310 Eschlinkon, heute Eschlikon.
Der Ursprung dieses Ortsteils ist weniger sicher festzustellen. 1271 tritt Welsinkon auf (vielleicht: Walasinghofen, bei den Höfen des Walasing). Auf einer Karte von 1566 ist Welsikon verzeichnet.
Früher Greut, von reuten, gereutetes = gerodetes Land.

Landwirtschaft und Mobilität

Während Jahrhunderten hatten die Bauern in unserer Region eine Dreifelderwirtschaft betrieben. Im ersten Jahr wurde auf einem Feld Wintergetreide (Weizen, Roggen, Dinkel) angepflanzt. Im zweiten Jahr säte der Bauer Sommerfrüchte (Hafer, Hirse, Gerste, Leinen, Hülsenfrüchte). Und im dritten Jahr folgte die Brache, das Erholungsjahr. Die Viehzucht hatte bis ins im 19. Jahrhundert wenig Bedeutung. Lediglich zur Selbstversorgung mit Milch und als Zugkraft hielt man einige Tiere. Ab 1817 wurde die Kartoffel aufgenommen und allmählich baute man auch Klee für die Stallfütterung an.

Entwässerung – ein Meilenstein

Dinhard blieb weiterhin eine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde. Als historisches Bauvorhaben gilt die Entwässerung 1920-22 in der Talsohle zwischen Welsikon – Eschlikon – Ausserdinhard und das Feld zwischen Grüt – Eschlikon bis zur Station Thalheim. Damit konnte die Feldqualität massiv verbessert werden. Es verschwanden aber auch verschiede Bäche in den Untergrund.

Dinhard wird mobil: Die Eisenbahn und ihre Auswirkungen

In die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts fällt der Bau der Eisenbahnlinie Winterthur – Etzwilen – Singen. Handel und Verkehr mit dem Ausland nahmen grössere Ausmasse an. Die vermehrte Einfuhr von Getreide und Wein zwang die Bauern, sich vermehrt der Vieh- und Milchwirtschaft zuzuwenden.

Die Etzwilerlinie wurde 1874 als Nationalbahn gegründet und man hoffte auf Import und Export. Die politische Gemeinde sowie die Zivilgemeinden Dinhard, Eschlikon und Welsikon hatten sich mit insgesamt 153’000 Franken an Aktien, Obligationen und Nachsubventionen am Bau der Nationalbahnlinie beteiligt – eine Summe, welche sie 1889 bei der Zwangsliquidation der Gesellschaft, unwiederbringlich verloren. Das war für damalige Verhältnisse ein Riesenverlust, der den Gemeindehaushalt noch bis in die Dreissigerjahre des 20. Jahrhunderts belastete!

Die Ziegelei von Dinhard: einst ein florierender Betrieb

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann sich das Gewerbe zu entwickeln. Einer der bedeutendsten Betriebe war die Ziegelei beim Ziegelweiher. Der Weier war eine Grube, aus der bis 1920 Ton abgebaut und zu Ziegeln gebrannt wurde. In der Blütezeit waren ca. 100 Personen beschäftigt. Danach diente das fabrikähnliche Gebäude als Bauernbetrieb und als erste Turn- und Mehrzweckhalle für Schule und Vereine.

Handwerksbetriebe im Wandel der Zeit

Anfangs des letzten Jahrhunderts entstanden vielfach aus Abkommen von landwirtschaftlichen Betrieben eine grosse Anzahl Handwerkbetriebe, die teilweise bis in die heutige Zeit existieren. Einzelne Betriebe - Schmieden, Bäckereien, Gärtnereien, Transportunternehmen, Kiesabbau und Mühlen - sind leider in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden. Andere Betriebe sind bis heute äusserst aktiv und bieten Arbeitsstellen in vielen Berufen in der Gemeinde an, sie sind in der Regel Mitglieder des Gewerbevereins.

Viele Geschichten und Erinnerungen zum Gewerbe in Dinhard sind in der Chronik von 2013 sehr unterhaltsam und präzise beschrieben.

Vom Pfarrer zum Schulmeister

Auch die Geschichte der Schule reicht einige Jahrhunderte zurück. 1563 unterrichtete erstmals ein Schulmeister, der nicht dem geistlichen Stand angehörte. Vorher hatten jeweils die Pfarrer unterrichtet.

Die erste Überlieferung von einem Schullokal stammt aus 1641, als im neuen Schützenhaus (Pulverturm) eine Schulstube eingerichtet wurde.

Interessanterweise sind alle Lehrkräfte der Schule in Dinhard ab 1611 und der Schule in Eschlikon ab 1683 bekannt. Seit dieser Zeit haben wir in Dinhard zwei Schulkreise. Überliefert sind ebenfalls die Schulhausneubauten von Eschlikon 1829 und Kirch-Dinhard 1843.

Vereinigung der Schulgemeinden: Ein Meilenstein

Die beiden Schulgemeinden Dinhard mit Grüt, Sulz und Riedmühle einerseits sowie Eschlikon und Welsikon anderseits, wurden auf Druck der Erziehungsdirektion 1914 vereinigt.

Bereits damals hatte die Schulgemeinde den Wunsch nach einem neuen Schulhaus. Dieser Wunsch konnte, vornehmlich aus finanziellen Gründen, erst 1951 erfüllt werden. Dieses Schulhaus leistet heute noch seinen Dienst. Zwischenzeitlich wurden immer wieder bauliche Erweiterungen durchgeführt.

 

Auch im Jubiläumsjahr 2025 wird das Schulhaus saniert und nach neusten Bedürfnissen erweitert.

Sekundarschulkreise

Der Aufbau der Sekundarschulen reicht in das 19. Jahrhundert zurück. Zuerst wurde der Sekundarschulkreis Rickenbach 1851 gegründet. 1877 beschloss die Schulgenossenschaft dann, Eschlikon und Welsikon an den Sekundarkreis Seuzach anzuschliessen.

Gründung von Vereinen: Dinhard wird lebendig

Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine erste Freizeitkultur. So fallen diverse Gründungen von Vereinen in diese Zeit. Dazu gehört der Schützenverein 1866. Aus dem Männerchor 1871, dem Töchterchor 1881 und dem Frauen- und Töchterchor ging letztendlich der Chor Dinhard hervor. Der Trachtenverein wurde 1926 gegründet, 1975 die Frauengruppe und natürlich noch diverse mehr.

     

Das Dinharder-Vereinsleben geniesst bis in die heutige Zeit eine grosse Tradition und trägt viel zur Attraktivität des Dorflebens bei.

Sulz und die Trennung von Dinhard: Ein Wendepunkt

1930 wohnten 707 Personen in Dinhard. Zu dieser Zeit entbrannte die Diskussion über die Zugehörigkeit von Sulz. Bis dahin war Sulz ein Ortsteil von Dinhard gewesen. Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Winterthur – Frauenfeld spitzte sich die Diskussion weiter zu. Die Dinharder in Sulz wandten sich immer mehr der Gemeinde Rickenbach zu. Zudem war der Schulweg für die Schüler von Sulz recht weit.

1934 sprach der Kantonsrat Sulz der Gemeinde Rickenbach zu. Die Riedmühle blieb jedoch auf Wunsch seiner Bewohner weiterhin bei Dinhard. Somit reduzierte sich die Einwohnerzahl auf 546 im Jahre 1940.

Aufschwung durch neue Siedlungen: Dinhard wächst

Als ländliche Gemeinde entwickelte sich Dinhard nur zögerlich weiter. Auch in der jüngeren Vergangenheit war die Landwirtschaft der tragende Pfeiler der Gemeinde. Anfang der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts wurde Dinhard als Wohnort für Auswärtsarbeitende entdeckt, was zur Folge hatte, dass die ersten Einfamilienhäuser in Ausserdinhard und Welsikon erstellt wurden. Dadurch entwickelte sich auch das Gewerbe und neue Firmen in bauhandwerklichen Berufen entstanden.

Eine grosse Entwicklung der Bevölkerungszahl fand mit der Baubewilligung der Siedlung Büel 1972 statt. Ab 1974 wurde die Siedlung bezogen. Nach der Bauvollendung ist die Gemeinde von 620 auf 863 Einwohner gewachsen.

Aber auch an anderen Orten wurde stets gebaut. Um der kontinuierlich wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden, wurden diverse Bauten notwendig, wie der Neubau des Gemeindehauses 1974, der Zivilschutzanlage unter der Spielwiese 1978, der Neubau des Kindergartens, der Erweiterung des Schulhauses und vieles mehr. Sogar ein Tennisplatz hinter dem Gemeindehaus entstand. Dieser wurde später mit Mehrfamilienhäusern überbaut. 2003 konnte die Sporthalle eingeweiht werden. Danach folgten das Gemeindewerkgebäude und der Neubau des Feuerwehrgebäudes.

 

Der Weg zur Einheitsgemeinde

1928 gab es neben der politischen Gemeinde und der Schulgemeinde fünf Zivilgemeinden (Dinhard, Eschlikon, Vordergrüt, Welsikon und Sulz). Diese wurden ab 1928 in die politische Gemeinde integriert. 2006 vereinigte sich die Primarschule mit der politischen Gemeinde zur heutigen Einheitsgemeinde.

Dinhard heute: Ein aktives Dorf im Bezirk Winterthur

Heute leben 1750 Personen in Dinhard. Dinhard ist eine aktive Gemeinde im Bezirk Winterthur. Der dörfliche Charakter wird gelebt. Die Vereine sind tragende Strukturen in der Gemeinde. Die Gemeinde pflegt viele Beziehungen zu den Nachbargemeinden und beteiligt sich in aktiv in verschiedenen regionalen Bereichen, z.B. Sekundarschule, Feuerwehr, Zivilschutz, Soziales, Asylwesen und vieles mehr. In der Region Winterthur ist Dinhard als Naherholungsgebiet definiert.

750 Jahre Dinhard - ein Grund zum Feiern!

Mit dieser letzten Ausgabe schliessen wir unsere Zeitreise durch Dinhard ab. Wir hoffen, sie hat Ihnen genauso viel Spass gemacht wie uns! Wir Bewohnerinnen und Bewohner von Dinhard sind stolz, in dieser Gemeinde leben zu dürfen, und freuen uns darauf, aktiv an der weiteren Entwicklung teilzunehmen – und zusammen das Jubiläum unseres Dorfes zu feiern.

 

Quellen:
Dinhard, Chronik einer Gemeinde am Tor zum Zürcher Weinland, 2012
Geschichte der Herrschaft und Gemeinde Altikon an der Thur, 1928
Festschrift zur Einweihung des Schulhauses Dinhard, 1951
Turnverein Chronik 1918 – 2018, 2018